Wandas Geschichte

Du bist eine sehr erfahrene Familienratskoordinatorin. Welche Momente in Familienräten sind dir bis heute noch gut in Erinnerung?

Wanda: Oh, da gibt es ganz viele. Jeder Familienrat ist eindrucksvoll und positiv. Es ist immer spannend, zu sehen, wer gehört zur Familie und zum System.

2014 habe ich einen in meinem Kiez gemacht. Es war ein ganz toller Familienrat mit vielen Menschen, es war alles vertreten, Familie, Freunde, Verwandte, Fachleute und das war richtig toll. Er fand in einem Café statt, welches dafür geschlossen blieb, denn der Cafébesitzer gehörte auch dazu und sorgte für Essen und Getränke. Zur Familie gehörte ein großer, alter und dementer Hund und der war auch dabei. Der wurde von einer Person umsorgt, die nur dafür zuständig war.

Vor ein paar Jahren gab es einen in Berlin-Mitte in der Friedrichstraße. Die Familie wohnte dort sehr elegant. Alles war schillernd und bunt und sie waren eine Künstlerfamilie, deren pubertierende Tochter Unterstützung brauchte.

Ah, bei meinem allersten Familienrat wurde mein Auto abgeschleppt und ich musste 300 Euro Gebühren bezahlen. Der Familienrat war aber sehr rührend, denn alle waren miteinander eng und herzlich. Es waren nur wenige, die haben aber einen tollen Plan entwickelt. Der umfasste fünf Seiten. Es ging um die Rückführung der Tochter in die Familie und für alle war ganz klar, dass sie nie wieder fremduntergebracht werden darf. Das Mädchen selbst hat für das Treffen – den Rat – ein Lied geschrieben. Nach einem Jahr konnte sie zurück in ihre Familie und das Lied handelte davon, wie sehr sie sich freut zurück zu können, welche Ängste sie hat und was sie befürchtet. Als sie es vorgesungen hat, musste ich mich sehr zusammenreißen, dass mir nicht die Tränen kamen.

Das zeigt, was im Familienrat alles möglich ist. Auch wenn die Eltern ablehnen, dass das Kind daran teilnimmt, kann es mit einem Brief, Videobotschaft oder einem Lied trotzdem beteiligt sein. Dadurch liegt der Fokus wieder auf dem Kind und es wird dem Netzwerk der Familie verdeutlicht, es geht um das Kind. Am schönsten ist es natürlich, wenn das Kind präsent ist und mitspricht. Wenn das nicht möglich ist, dann soll es durch so eine Aktion beteiligt sein.

So wird das Mitspracherecht der Kinder gewährt und sie werden auf Augenhöhe wahrgenommen. Denn es geht ausschließlich um ihr Wohl.